Frau Winkler verlässt das Haus
Regie: Doris Dörrie | Darsteller: Angela Winkler, Laura Tonke, Josef Ellers, Via Jikeli | Deutschland 2026 | Drama
Nach einem Unfall ist die betagte Frau Winkler plötzlich auf Rund-um-die-Uhr-Pflege angewiesen – und bekommt einen Roboter zur Seite gestellt… Mit ihrem unverwechselbar warmen, zugleich hellwachen Blick auf menschliche Beziehungen erzählt Doris Dörrie vom Älterwerden in einer technisierten Welt und der Frage, was Nähe ausmacht. Eine kluge Dramödie über Liebe, Fürsorge und Verlust, bittersüß, streckenweise sehr lustig – und ziemlich anrührend.
2030 ist der ehemaligen Schauspielerin Frau Winkler (Angela Winkler) nichts mehr geblieben als ihre Tochter Emi (Laura Tonke) und Enkelin Billie (Zoë Baier). Ihr geliebter Ehemann und Bühnenpartner ist viel zu früh verstorben; aus ihrer Trauer hat Frau Winkler nie ganz herausgefunden und sich immer ganz auf Emi verlassen. Als diese ein Theaterengagement annimmt, ist ihre Mutter nach einem Unfall plötzlich auf intensive Hilfe angewiesen, und es muss schnell eine Lösung her: ein Pflegeroboter, den die Krankenkasse stellt. Frau Winkler fühlt sich gedemütigt und wehrt sich vehement gegen die maschinelle Zuwendung. Doch dann entwickelt sich eine Freundschaft zwischen der 80-Jährigen und dem "belesenen" Roboter Pawlowitsch, der zu ihrer Verzückung Tschechow rezitieren kann. Aber Pawlowitsch ist nicht nur gute Gesellschaft, er übermittelt auch ihre Vitalwerte an ein auf Effizienz bedachtes Gesundheitssystem – ob gleich er verspricht, ihr beizustehen…
Doris Dörrie erzählt von einer Zukunft, die nur einen kleinen Schritt von der Gegenwart entfernt scheint, und findet darin eine erstaunlich zarte Geschichte über Nähe, Verlust und die Zumutungen des Alterns. Zwischen technischer Fürsorge und sehr menschlicher Einsamkeit entfaltet sich eine feinsinnige Tragikomödie, deren gewichtige Themen mit Witz, Wärme und bemerkenswerter Leichtigkeit daherkommen. Die großartige Angela Winkler bringt Trotz, Witz, Trauer und Verletzlichkeit mit verblüffender Selbstverständlichkeit zusammen. Besonders schön entwickelt sich die Beziehung zu Pawlowitsch: Aus dem zunächst ungeliebten Pflegeapparat wird ein Gegenüber, das zuhört, widerspricht und Frau Winkler einen Weg aus ihrer Einsamkeit eröffnet. So stellt Dörrie wie beiläug die große Frage, worin Menschlichkeit eigentlich besteht. Eine warmherzige, kluge und erstaunlich lebensbejahende Tragikomödie über das Altwerden, das Loslassen und die Sehnsucht, bis zuletzt gesehen zu werden.
