Everytime

Regie: Sandra Wollner | Darsteller: Birgit Minichmayr, Lotte Shirin Keiling, Tristan López | Deutschland, Österreich 2026

Gerade noch genießt Jessie nach dem Feiern das Ende ihres Rauschs auf dem Dach eines Berliner Hochhauses. Dann der Absturz. Ein einziger Moment, der die Welt von Mutter Ella, Schwester Millie und Freund Lux vollständig aus ihren Angeln hebt… So außergewöhnlich wie gekonnt lässt Sandra Wollner Realität und Imagination ineinanderfließen in dieser klugen, poetischen, surrealen Erzählung um die Frage, was ein unaussprechlicher Verlust mit uns macht. Ein sinnlich sirrendes, intensives Drama über Trauer – mit der absolut großartigen Birgit Minichmayr!

Das letzte Foto, das Jessie (Carla Hüttermann) gemacht hat, zeigt die Sonne über Berlin. Sie hängt da, als wäre nichts geschehen. Aber Ella (Birgit Minichmayr) hat ihre Tochter verloren. Was ihr bleibt, ist Jessies kleine Schwester und die komplizierte Beziehung zu dem Jungen, dem alle die Schuld geben. Das merkwürdige Trio landet in einem Familienurlaub, den es so nie gab. Unter der flirrenden Sonne Teneriffas verweben sich Erinnerung und Gegenwart unauflöslich ineinander. Die Geister sind überall… Nach dem unfassbaren Tod ihrer Tochter kreisen Ella, deren jüngere Schwester Millie und Jessies Freund Lux um riesiges schwarzes Loch, das sich nicht füllen lässt. Doch Sandra Wollner macht aus dieser Geschichte über Trauer kein psychologisches Erklärstück, sondern ein körperlich erfahrbares, sinnliches Kinoerlebnis, das sich der Eindeutigkeit entzieht. Erinnerungen, Schuld, Sehnsucht und Fantasie überlagern sich, bis die vertraute Welt allmählich aus den Fugen gerät und die Zeit selbst ihre Verlässlichkeit verliert. Dabei beeindruckt EVERYTIME vor allem durch seine außergewöhnliche Bildsprache. Gregory Okes Kamera fängt das warme Licht Berlins und Teneriffas mit hypnotischer Intensität ein, während surreale Motive – man bestaune die quadratische Sonne – nie bloßes Stilmittel bleiben, sondern den emotionalen Ausnahmezustand der Figuren sichtbar machen. Birgit Minichmayr ist fantastisch! Sie spielt mit einer bemerkenswert zurückgenommenen, hochpräzisen Darstellung, die Schmerz, Orientierungslosigkeit und Hoffnung in sich vereint. Wollner inszeniert Trauer als Zustand, in dem Vergangenheit, Gegenwart und Möglichkeit gleichzeitig existieren. Das Ergebnis ist ein mutiges, radikales, sehr besonderes Filmerlebnis.

Gewinner Un Certain Regard, Cannes 2026!

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Ab 12 Jahren  |  124 Minuten
Filmplakat des Films Everytime

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