Außer Atem

Regie: Jean-Luc Godard | Darsteller: Jean-Paul Belmondo, Jean Seberg | Frankreich 1960 | Drama | Originalsprache: Französisch

Der Draufgänger Michel ist in einer gestohlenen Luxuslimousine auf dem Weg nach Paris. Als er in eine Geschwindigkeitskontrolle gerät und gestellt wird, erschießt er den Polizisten kaltblütig. In Paris taucht er bei der attraktiven Amerikanerin Patricia unter. Michel will sich mit ihr nach Italien absetzen, während die Polizei auf ihre Mithilfe drängt. Patricia muss sich entscheiden...

Es gibt wohl kaum ein Werk, das die Filmgeschichte so klar in ein Vorher und Nachher teilt wie À bout de souffle (Frankreich 1960), mit dem Jean-Luc Godard am 5. Juli 1960 in Berlin debütiert. Mit einem souveränen Handstreich wirft er die eingeschliffenen Gesetze des guten Geschmacks über den Haufen und definiert die Spielregeln für das Zeigen und Sehen im Kino neu. Der Regisseur pfeift auf die etablierten und festgefahrenen Normen des unsichtbaren Schnitts, stattdessen fragmentieren Jump-Cuts und Achsensprünge Zeit und Raum. Raoul Coutards kongeniale Kameraarbeit nutzt anstelle großer Aufbauten das natürliche Licht, die Szenen werden aus der Hand geschossen. Ein festes Skript gibt es nicht, Godard schreibt die Dialoge früh im Café, anschließend wird an Originalschauplätzen – und nicht im Studio – gedreht. Die Arbeit am Film wird so schnell und flexibel, kurz gefasst: frei.

Fiebrig wie die Reise ins Unglück und letztlich den Tod seines Protagonisten ist die Ästhetik des Films. Buchstäblich atemlos erzählt À bout de souffle von Michel Poiccard, Kleinkrimineller und Polizistenmörder, und seiner kurzen Affäre mit der amerikanischen Studentin Patricia. Wortreich philosophierend navigieren sich die beiden durch ein Leben und eine Liebe voller Ungewissheiten und radikaler Überzeugungen. Über Nacht werden die beiden Hauptdarsteller Jean-Paul Belmondo und Jean Seberg zu popkulturellen Ikonen, zum Sinnbild cooler Eleganz und formen das Bild und den Gestus der Jugend in den 1960er-Jahren nachhaltig.

Auch wenn die ersten Reaktionen auf die Premiere in Berlin ambivalent sind, schwankend zwischen reiner Euphorie und Ängsten um die Moral der Jugend, ist nach À bout de souffle der Siegeszug der Nouvelle Vague nicht mehr zu stoppen. Sie erschüttert einem Erdbeben gleich das Weltkino, die seismischen Ausschläge werden stilprägend bis ins ferne (New!) Hollywood, wo Godards Arbeiten für Regisseure wie Francis Ford Coppola oder Martin Scorsese zum Maßstab werden.

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Ab 16 Jahren  |  90 Minuten
Filmplakat des Films Außer Atem
Klassiker