Franz K.
Regie: Agnieszka Holland | Darsteller: Idan Weiss, Peter Kurth, Carol Schuler | Tschechische Republik, Irland 2025 | Biopic | Originalsprache: Deutsch
Agnieszka Holland öffnet das Fenster zur zerrissenen Seele des so rätselhaften wie verehrten Titelhelden. Sie formt ein Kaleidoskop, das nicht nur den Mythos Franz Kafka reflektiert, sondern einen jungen Mann voller Zweifel, Liebe und leiser Rebellion gegen die Bürokratie zeigt – geprägt von familiärer Autorität, existenzieller Einsamkeit und der Sehnsucht, mit Worten Wirklichkeit zu schaffen. Regie, Bildsprache und Schauspiel verschmelzen zu einem überraschenden Porträt, poetisch, schonungslos, zutiefst persönlich – und immer wieder so kafkaesk wie der Held selbst.
Prag, Anfang des 20. Jahrhunderts: Franz Kafka (Idan Weiss) ist zerrissen zwischen der Autorität des fordernden Vaters, der Routine im Versicherungsbüro und der stillen Sehnsucht nach künstlerischer Entfaltung. Während seine Texte erste Leser finden, beginnt die Reise eines jungen Mannes, der sich nach Normalität sehnt, jedoch den Widersprüchen des Lebens begegnet, dabei Literaturgeschichte schreibt und sich immer wieder Hals über Kopf verliebt. Getrieben von Liebe, Fantasie und dem Wunsch nach Respekt, unterstützt von seinem Freund und Verleger Max Brod, entfaltet sich das ebenso berührende wie skurrile Porträt eines der faszinierendsten Denker der Moderne… Die großartige Agnieszka Holland (GREEN BORDER, HITLERJUNGE SALOMON) wirft einen einzigartigen Blick auf das Leben des großen Literaten und spannt einen mehrdimensionalen, originell inszenierten Erzählbogen, der bis ins Heute reicht. Sie zeichnet das inspirierte Biopic eines Menschen, der seiner Zeit auf faszinierende Weise weit voraus war, findet sinnlich-surrealistische Bilder, die uns Kafka als Mensch näherbringen und sein Inneres greifbar machen. Dabei fängt sie die Monotonie und Beengtheit seines Alltags genauso ein wie die Vielschichtigkeit seines Wesens und die Vielsprachigkeit seiner Zeit. Idan Weiss verkörpert den Künstler mit einer gerade in ihrer Stille und Zartheit herausragenden Intensität. Und wer anderes als Peter Kurth (ZWEI ZU EINS, HERBERT) als herrischem Vater könnte es so deutlich machen, wie dieser das Leben und Wesen seines Sohnes zutiefst prägte und mit seiner lautstarken, alles überragenden Präsenz überschattet. Das Leben, das Fühlen und Denken, das einmalige Werk dieser neurotischen Künstlernatur wird immer wieder geradezu spürbar – und bleibt folgerichtig dennoch ein kaum fassbares Rätsel.
