Allegro Pastell

Regie: Anna Roller | Darsteller: Sylvaine Faligant, Jannis Niewöhner, Haley Louise Jones, Luna Wedler, Martina Gedeck | Deutschland 2026 | Drama, Literaturverfilmung

2018. Eine scheinbar perfekte Beziehung – voller Freiraum, Selbstreflexion und digitaler Nähe. Doch was passiert, wenn genau diese Freiheit plötzlich zu einer emotionalen Leerstelle wird? Anna Roller erzählt von zwei Millennials, die alles richtig machen wollen und dann merken, dass Gefühle sich nicht planen lassen. Zwischen Berliner Sommerhitze, Zugfahrten und langen Nachrichten entsteht das Porträt einer Generation, die sucht, ohne sich festlegen zu wollen – nach Leif Randts gleichnamigem Kultroman!

 Im Jahrhundertsommer führen die Romanautorin Tanja Arnheim (Sylvaine Faligant) und der Webdesigner Jerome Daimler (Jannis Niewöhner) eine scheinbar ideale Fernbeziehung in der Hitze Berlins, der Idylle eines geerbten Bungalows im hessischen Maintal und vielen Zugfahrten dazwischen. Doch das sorgfältig gepflegte Gleichgewicht aus Vertrauen und Ungebundenheit der beiden hyperreflektierten Millennials gerät ins Wanken, als Tanja in der Nacht ihres 30. Geburtstags bemerkt, dass die Beziehung existenziell werden könnte… Regisseurin Anna Roller übersetzt den gefeierten Bestseller von Leif Randt, der übrigens auch das Drehbuch schrieb, in einen ruhigen, fast schwebenden Film. Die Inszenierung beobachtet ihre Figuren mit einer gewissen Distanz, viel Sinn für Atmosphäre, bleibt nah am Ton der Vorlage und entwickelt einen entspannt-lakonischen Flow, der das Lebensgefühl seiner Protagonisten gelungen einfängt. Das Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller ist stark: Sylvaine Faligant verkörpert Tanja mit einer Mischung aus Coolness und unterschwelliger Unsicherheit, während Jannis Niewöhner Jerome als charmanten, aber emotional schwer greifbaren Partner anlegt. Ihre Beziehung wirkt weniger leidenschaftlich als analytisch, ein Stilmittel, das die Unentschlossenheit der Charaktere zum Vorschein bringt – Persönlichkeiten, deren hier erzählte Geschichte untrennbar mit ihrer Zeit verbunden ist. So ist ALLEGRO PASTELL auch kein klassisches Liebesdrama mit großen Konflikten. Stattdessen entsteht ein präzises Generationenporträt: ein Film über privilegierte, überreflektierte Dreißigjährige, die ständig über ihre Gefühle nachdenken und gerade dadurch manchmal den Zugang zu ihnen verlieren. Die melancholische Bildsprache und die zurückhaltende Stimmung verstärken dieses Gefühl emotionaler Ungewissheit. Ein stilles, kluges Drama über moderne Beziehungen und die Frage, inwiefern ein Leben voller Möglichkeiten dazu führt, sich nie wirklich zu entscheiden.

» Hat der Versuchung widerstanden, ihre Figuren ironisch oder moralisch bewertend zu überfrachten! « TAZ

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Ab 12 Jahren  |  99 Minuten
Filmplakat des Films Allegro Pastell